Das Modellprogramm

Ausgangslage

Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Es bildet die Basis der individuellen Lebensgestaltung und Entfaltung und es ist eine Voraussetzung zur sozialen Einbindung bzw. Teilhabe und Teilnahme jedes Einzelnen, am gesellschaftlichen Leben. Die meisten Menschen wünschen sich eine Wohnumgebung, die ihnen Selbständigkeit und Selbstbestimmung, soziale Kontakte und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht – und auch im hohen Alter, bei Hilfe- und Unterstützungsbedarf, Pflegebedürftigkeit oder Behinderung die notwendige Versorgung sichert.

In den letzten Jahren haben sich vielfältige Formen und innovative Ansätze im Bereich des Gemeinschaftlichen Wohnens entwickelt, die zeigen, wie ein Wohnumfeld entstehen kann, in dem Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen und Lebenslagen einander unterstützen und damit ein soziales Netz etablieren, das über den familiären Rahmen hinausgeht. Deutlich wird dabei, dass Gemeinschaftliches Wohnen längst kein Nischenthema mehr ist. Angesichts des demografischen Wandels und sich verändernder Lebensstile und Beziehungsformen wächst die Bedeutung Gemeinschaftlicher Wohnformen zunehmend. Auch Wohnungsunternehmen, soziale Dienstleister und Kommunen haben die Potentiale Gemeinschaftlichen Wohnens erkannt und realisieren neue Projekte, bei denen sie auch erweiterte Kooperationen eingehen, um Bürgerinnen und Bürgern bzw. Mieterinnen und Mietern ein selbstbestimmtes Leben im Alter und bei Hilfe- und Pflegebedarf zu ermöglichen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt diesen Trend mit dem Modellprogramm „Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben“. Gefördert werden 29 Projekte mit innovativen Lösungen und Vorbildwirkung im Bereich des Gemeinschaftlichen Wohnens, anhand der folgenden drei Förderschwerpunkte:

 

Förderschwerpunkt A: Selbständige Lebensführung älterer und hochaltriger Menschen im Quartier

Gefördert werden gemeinschaftliche Wohnformen, die innovative Lösungen für eine selbständige und unabhängige Lebensführung insbesondere älterer und hochbetagter Menschen im Projekt, Quartier oder Dorf entwickeln. So wird beispielsweise durch die Schaffung und nachhaltige Sicherung von Pflege- und Betreuungsangeboten im unmittelbaren Wohnumfeld sowie durch organisierte Nachbarschaftsinitiativen und HilfeMix-Strukturen ein längerer Verbleib im eigenen Zuhause ermöglicht.

Förderschwerpunkt B: Bezahlbares Wohnen, besonders für Menschen mit niedrigem Einkommen

In diesem Schwerpunkt werden Modellprojekte gefördert, die vor allem den Zugang von Menschen mit niedrigem Einkommen in das Gemeinschaftliche Wohnen verbessern und sowohl eine sozial als auch eine altersmäßige / generationenübergreifende Durchmischung realisieren. Entstehen soll bezahlbarer Wohnraum, der Mieterinnen und Mietern Möglichkeiten der Mitbestimmung und Mitgestaltung bietet.

Förderschwerpunkt C: Generationengerechte Wohnumgebung, Vielfalt und Inklusion

Projekte in diesem Förderschwerpunkt leisten einen besonderen Beitrag zur Entwicklung inklusiver gemeinschaftlicher Wohn- und Lebensformen, indem sie gemeinschaftlichen Wohnraum für Personen mit körperlichen und/oder psychischen Beeinträchtigungen beziehungsweise Behinderungen schaffen. Einbezogen werden zudem auch geflüchtete Menschen oder Menschen mit einer Migrationsbiografie. Die Projekte bauen sozialräumliche Strukturen auf, die eine Teilhabe am Gemeinwesen ermöglichen und die
Personengruppen in ein „gemischtes“ Quartier integrieren.

 

Ziel(e) des Modellprogramms

Übergeordnetes Ziel des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit dem FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e.V., Bundesvereinigung, aufgelegten Modellprogramms ist es, innovative Wohnformen, durch beispielgebende gemeinschaftliche Wohnprojekte zu fördern. Weitere Ziele sind:

  • die Verbreitung vielfältiger Ideen, für das gemeinschaftliche Zusammenleben von Jung und Alt, anhand von Praxisbeispielen aus allen 16 Bundesländern,
  • alternative Wohn- und Wohn-Pflegeformen, die ein selbstbestimmtes Wohnen im Alter und bei Pflege- und Unterstützungsbedarf ermöglichen, bekannter zu machen,
  • die Bedeutung von gemeinschaftlichen Wohnprojekten für die Entwicklung von Quartieren oder Dörfern und als Baustein für eine generationengerechte und inklusive Kommune darzustellen,
  • Lösungsansätze für sozial gemischte und partizipative Wohnformen aufzuzeigen,
  • Prozesse nachzuzeichnen, wie gemeinschaftliche Wohnprojekte mit unterschiedlichen Schwerpunkten umgesetzt werden können,
  • Transferarbeit zu leisten, d.h. Erfahrungen und Erkenntnisse aus den geförderten Projekten anderen Initiativen zugänglich zu machen.